ANATOMIE Allgemeine Anatomie und Histologie
2.12. .Allgemeine Anatomie des Immunssystems
2.12.2. .Lymphathische Organe




Zu den lymphatischen Organen zählen:
  • Lymphfollikel (Folliculi lymphatici)

  • Lymphknoten (Nodi lymphatici)

  • Milz (Spien, Lien)

  • Bries (Thymus)

  • mukosaassoziiertes lymphatisches Gewebe (MALT, z. B. Tonsillen).


    Lymphfollikel (Folliculi lymphatici)

    Dies sind rundliche, nicht scharf abgegrenzte Josammlungen von B-Lymphozyten. Lymphfollikel können dafür solitär vorkommen (z. B. in der Darmschleimhaut), sich in Gruppen zusammenlagern (z. B. Peyer-Plaques im aboralen Ileum, Tonsillen) oder in Organen zusammengefasst sein (Lymphknoten, Milz).


    MERKE:

    Bis auf die Tonsillen, bei denen die Lymphfollikel im Epithel liegen (lymphoepitheliale Organe), enthalten alle lymphatischen Organe ein Grundgerüst aus fixen Retikulumzellen, in denen die Lymphozyten und Makrophagen liegen (lymphoretikuläre Organe).



    Im Lymphfollikel findet man hauptsächlich B-Lymphozyten und T-Helferzellen, die in einem Gerüst aus Retikulumzellen liegen. Es handelt sich um dendritische Retikulumzellen, die (vor allem B-) Lvmphozyten-Antigen präsentieren, und inter-usatierende Retikulumzellen, die (vor allem T-) lymphozyten-Antigen präsentieren. Im umliegenden Gewebe finden sich vorwiegend zytotoxische T-Lymphozyten.

    Man unterscheidet zwei Stadien:


  • primärer Lymphfollikel: Dies ist ein ruhender Follikel, in dem noch kein Antigenkontakt stattgefunden hat. Er enthält gleichmäßig verteilte kleine Lymphozyten.




  • sekundärer Lymphfollikel: Nach Antigenkontakt wird der Primärfollikel zum Sekundärfollikel. Als Zeichen der Abwehrreaktion findet sich eine zentrale Aufhellung (Reaktions- oder Keimzentrum), die von einem dunklen Lymphozytenwall (Ort der spezifischen Abwehr) umgeben ist. Im Keimzentrum findet die Selektion und Vermehrung antigenspezifischer B-Lymphozyten statt.


    Lymphknoten (Nodi lymphatici)

    Lymphknoten sind als biologische Filter in Lymphgefäße eingeschaltet. Darüber hinaus sind sie die wichtigsten postfetalen Lymphozytenproduzenten. Man unterscheidet:
  • regionäre Lymphknoten: erhalten Lymphe unmittelbar aus einem Organ oder einer Körperregion.

  • Sammellymphknoten: erhalten Lymphe aus mehreren regionären Lymphknoten.


    Lymphknoten sind 2 - 20 mm große lymphoretikuläre Organe. Sie sind von einer derben kollagenen Organkapsel umgeben, von der Bindegewebsbälkchen (Trabekel, Abb. 2.15) ins Innere ziehen. Der Raum zwischen den Trabekeln ist mit retikulärem Bindegewebe ausgefüllt, das in drei Schichten unterteilt ist:
  • Rinde (Cortex): enthält viele Lymphfollikel, in denen sich B-Lymphozyten zwischen dendritischen Retikulumzellen finden.

  • parakortikale Zone: enthält überwiegend T-Lymphozyten zwischen interdigitierenden Retikulumzellen.



  • Mark (Medulla): besteht aus strangförmig angeordneten B-Lymphozyten (Marksträngen), Retikulumzellen, Makrophagen (Uferzellen) und Plasmazellen. Im Mark kommen keine Lymphfollikel vor.

    Lymphknoten
    Über zuführende Lymphgefäße (Vasa afferentia) gelangt die Lymphe in den Lymphknoten (Abb. 2.15). Dort gelangt sie zunächst in den zwischen Kapsel und Cortex gelegenen Randsinus (Marginalsinus) und weiter durch die radiär im Cortex verlaufenden Intermediärsinus zum Marksinus (Abb. 2.15). Am Hilum verlässt sie über Vasa efferentia den Lymphknoten. Am Hilum treten auch die Arterien und Venen in den Lymphknoten ein.


    MERKE:

    Im Hilusbereich findet man das Vas efferens (flaches Endothel, keine Wandschichten), eine Arterie (flaches Endothel, dicke muskuläre Media) und eine Vene (hohes, kubisches Epithel, dünne bindegewebige Media). Das hohe kubische Epithel der Vene enthält Rezeptoren (Homing-Rezeptoren), anhand derer die Lymphozyten, die im Blut zirkuliert sind, den Lymphknoten wieder erkennen, aus dem sie stammen ("homing" der Lymphozyten).




    KLINIK:

    Entzündliche Vorgänge führen zu Schwellung der Lymphknoten und Schmerzen durch Kapselspannung (unspezifischer Indikator für Erkrankungen).



    Milz

    (s. Kap. 8.4)

    Thymus (Bries)

    Der Thymus (Bries) ist als übergeordnetes Immunorgan für die Entwicklung der zellulären Immunität unentbehrlich. Man nimmt an, dass der Thymus nach der Geburt als "Schule der Lymphozyten" fungiert, in der T-Lymphozyten immunologisch geprägt werden. Entfernt man den Thymus frühzeitig, so fehlen immunologisch kompetente Zellen und die Lymphozyten können keine Antikörper bilden. Daher wird der Thymus auch als primäres lymphatisches Organ bezeichnet, die anderen lymphatischen Organe, die die immunkompetenten T-Lym-phozyten vom Thymus aus besiedeln, als sekundäre lymphatische Organe.

    Der Thymus besteht aus zwei ovalen miteinander verwachsenen Lappen (Corpus thymicum). Er liegt im oberen Mediastinum hinter dem Manubrium sterni und über dem Herzbeutel.

    Er ist beim Kind stark entwickelt, Thymuslappen können bis zum Unterrand der Schilddrüse reichen. Der Thymus bildet sich vor allem nach der Pubertät zurück (Thymusinvolution). Dabei wird Parenchym durch Fettgewebe ersetzt, es bildet sich der retroster-nale Fettkörper (Corpus adiposum retrosternale).

    Der Thymus gliedert sich in
  • die Kapsel (Capsula) aus kollagenem Bindegewebe, die sich in Form von Septen in das Innere fortsetzt.

  • die Rinde (Cortex) aus dicht gepackten Lymphozyten.

  • das Mark (Medulla), das vereinzelte Hassall-Körperchen, beim Erwachsenen auch reichlich Fettgewebe, aber keine Lymphfollikel enthält!

    Mukosaassoziiertes lymphatisches Gewebe (MALT)

    Überall in der Lamina propria der Organe befinden sich, diffus verteilt oder zu Follikeln zusammengefasst, Lymphozyten. Die Gesamtheit dieses lymphatischen Gewebes wird als MALT (mucosa associated lymphoid tissue), das lymphatische Gewebe des Darmes als GALT (gut associated lymphoid tissue) bezeichnet.

    Seine Aufgaben sind neben der zellulären die humorale Abwehr: Es sezerniert Antikörper (IgA) direkt ins Lumen des Verdauungstraktes und der Atemwege.

    Zum MALT gehören z. B. die Peyer-Plaques (s. "Lymphfollikel"), Lymphfollikel in der Appendix vermiformis und die Mandeln (Tonsillae). Sie umgeben ringförmig die Ausgänge des Mund- und Nasenraumes in den Rachen (Waldeyer-Rachen-ring). Sie sind eine erste Infektionsabwehr-Station zu Beginn des Digestions- und Respirationstrakts. Zur Gruppe der Tonsillen gehören:

  • die unpaare Rachenmandel (Tonsilla pharyngea)

  • die paarige Tubenmandel (Tonsilla tubaria)

  • die paarige Gaumenmandel (Tonsilla palatina)

  • die unpaare Zungentonsille (Tonsilla lingualis).

    Die Tonsillen bestehen aus Epitheleinstülpungen (Krypten), in denen zahlreiche Lymphfollikel liegen. Die Lymphfollikel reichen dabei bis ins Oberflächenepithel, so dass dieses teilweise nicht mehr erkennbar und abgrenzbar ist (lymphoepitheliales Organ).

    Je nach Lage der Tonsille ist das Epithel unterschiedlich:
  • Rachen- und Tubenmandel: Respirationsepithel

  • Gaumenmandel: kutane Schleimhaut in tief verzweigten Krypten

  • Zungenmandel: kutane Schleimhaut, nur kleine Krypten.

    Im Bereich des GALT finden sich in der Darmschleimhaut inselartige Zellgruppen, die sich ins Lumen vorwölben (Domareale). Hier finden sich sog. M-Zellen, die durch mechanische Zellhaften mit den Epithelzellen verbunden sind und an der Oberfläche Mikrofalten aufweisen. Sie nehmen Antigene auf und leiten sie an dendritische Zellen weiter, die die Antigene weiteren immunkompetenten Zellen präsentieren.

    nach oben

    vorherige Seite
    zurückZurück zum Inhaltsverzeichnis
    nächste Seite